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Das Ende des "MIKROKOSMOS" – ein persönlicher Nachruf

Bonn, den 14.12.2014

Nun ist es gewiss: der MIKROKOSMOS wird sein Erscheinen zum Jahresende 2014 einstellen. Nur noch eine Ausgabe mit den bis dahin eingegangenen Artikeln soll es geben, dann ist das Ende einer über hundertjährigen Geschichte erreicht.
Gegründet 1907, ist der MIKROKOSMOS eine der ältesten deutschsprachigen Zeitschriften für den Naturfreund überhaupt, und der Herausgeber Klaus Hausmann ist nicht um die Verantwortung zu beneiden, nach einer so langen und glanzvollen Geschichte als Letzter das Licht ausmachen zu müssen. Er hat dieses Ende aber schon 2007 vorausgesehen; seine Befürchtung:
„Was allerdings viel mehr Sorge bereitet, ist die Tatsache des heutzutage wohl üblichen, für einen Außenstehenden in seinem Sinn kaum noch nach- vollziehbaren Verkaufs von kleineren Verlagen an größere… Er wurde unterdessen über eine Zwischenstufe von einem Verlag aufgekauft, der zu den internationalen Wissenschafts-Pressegiganten zählt, nämlich zu Elsevier… Für den weniger mit der Realität Vertrauten mag es beruhigend aussehen, unter dem Dach eines so gewaltigen Hauses untergebracht zu sein. Weniger beruhigend ist dabei allerdings die Tatsache, dass in diesem Haus gnadenlos die Marktwirtschaft herrscht. Was keinen Profit bringt, gehört abgewickelt. Man kann nur hoffen, dass der MIKROKOSMOS weiterhin zu den Überlebenden zählen wird. Angesichts der derzeitigen Abonnentenzahlen kann man allerdings schon hin und wieder von etwas unruhigen Gedanken bewegt werden“.
Mit dem Ende des MIKROKOSMOS ist auch eine lange persönliche Beziehung zu Ende: 1963 habe ich die ersten Probehefte beschafft – kostenlos natürlich, man hatte nur wenig Taschen-geld. Schließlich habe ich ab 1964 dann doch abonniert. So ein Abonnement wird laut Klaus Henkel zufolge erst durch die Erben des Mikroskopikers beendet, und so haben sich bis heute etwa anderthalb Regalmeter angesammelt.
Es macht mir immer wieder Spaß, die vielen Jahrgänge durchzublättern. Man blickt in einen Spiegel des technischen Fortschritts und der kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 100 Jahre:
Anfangs Schnörkel in Typographie und Schreibstil, kontrastlose Schwarzweiß-Fotos und eine Unmenge an Zeichnungen, später ein farbiges Titelbild, bis zum perfekten Farbdruck im Textteil heute, und eine zeitgemäße, präzise Ausdrucksweise heute, die aber andererseits niemals so schöne poetische Sätze hervorbringt wie den folgenden aus Band 11:
„ Und wenn es der Unterricht dazu bringt, daß stinkender fauler Harn zu einer großartigen Erscheinung der göttlichen Natur wird, so erscheint mir das viel wertvoller, als wenn die Buben ob einem Rosenzweig Freude äußern“. Und wer würde heute noch eine Büste Schillers (!) im Lichte einer Bakterienkultur foto- grafieren…(Bd. 11, S. 75).
Beide Kriege haben ihre Spuren hinterlassen: da wird 1917 ein Autor mit dem Zusatz „im Felde“ angegeben, 1918 eine Bekanntmachung zum Umtausch der Kriegsanleihe veröffent-licht, 1936 ein Aufruf zur Erforschung landwirt- schaftlicher Schädlinge.
Heute undenkbar: Tierexperimente – da wird locker auch mal ein Meer- schweinchen der Wissenschaft geopfert. Und der Umgang mit Gefahren und Gefahrstoffen war doch viel unbefangener als heute:
Im Band 11 (1917/18) findet man einen Artikel „Mikroradiographie als Forschungsmethode“ von P. Metzner („im Felde“!). Man braucht nur einen kiloschweren Funkeninduktor  mit 10 cm Funkenlänge und eine gläserne Röntgenröhre. Alles unabgeschirmt – aber es gab beeindruckende Bilder. Osmiumtetroxid und Sublimat gehörten wohl zur Grundausstattung. 
Im heutigen MIKROKOSMOS finden die früher häufigen Bauanleitungen von einfachen Zusatzgeräten, seien es Trockenschränke oder Mikrofoto- einrichtungen, keinen Platz mehr. Im Zeitalter des Internets findet man die nötigen Geräte leicht auf dem Gebrauchtmarkt. Dafür sind die Artikel im Lauf der Zeit anspruchsvoller und „wissenschaftlicher“ geworden, und erfüllen nicht mehr den alten Auftrag der Gründer, ein Medium von Amateuren für Amateure zu sein. Der MIKROKOSMOS sitzt damit zwischen den Stühlen: für viele Abonnenten ist nichts verständliches, Anfänger-geeignetes mehr enthalten, der Universitätsforscher veröffentlicht dagegen in anderen, internationalen Fachjournalen. Dies hat vielleicht auch zum Bedeutungs- und Abonnenten- schwund beigetragen, neben der bedauerlichen Tatsache, dass der Amateurmikroskopiker mittlerweile zu einer sehr seltenen, vom Aussterben bedrohten Spezies geworden ist.
Dass in jedem Heft nur wenige Artikel vom Abonnenten gelesen werden, spricht nicht gegen die Zeitschrift. Ich habe die Hefte auch nicht von vorn bis hinten durchgelesen, weil ich vieles nicht verstanden habe, anderes nicht zu meinem Interessengebiet gehörte oder einfach trivial war. Das ist aber bei meiner Tageszeitung genauso: der Sportteil wird zuerst ungelesen weggeworfen. Dafür habe ich schon unendlich viele Anregung und Informationen gefunden.
Ich habe immer gern die alten Jahrgänge durchgeforstet – meine scheinbar neue Idee war schon vor Jahren realisiert, oder ich traf auf ein Gebiet, das einen Neuanfang lohnte.

Neben viel Lob (z.B. die Rezension im „Labor Journal“, „politik & kultur“ 2007) gab es zuletzt viel Schelte in den Internetforen und die Gründung einer konkurrierenden Zeitschrift. Man hielt auch gedruckte Zeitschriften zu langsam und veraltet – aber alle, die auf den schnellen Austausch über Internet und Foren als moderne Medien schwören, mögen im Forum alte Beiträge suchen – die Bilder nach einem Jahr weg, selbst bei Wikipedia führen Verweise und Literaturhinweise auf „Seite 404 – nicht vorhanden“ und so weiter. Aber ein 100 Jahre altes MIKROKOSMOS-Heft kann ich noch ohne Probleme lesen; großer Vorteil der gedruckten Zeitschrift.
Ohne den MIKROKOSMOS wird uns etwas fehlen: ein Kontaktmedium zum Austausch interessanter Beobachtungen unter Amateurmikroskopikern. Alle Hoffnung liegt jetzt auf der neuen Zeitschrift „Mikroskopie“ – möge sie gedeihen.
Zum Schluss sei den Machern der Zeitschrift, Prof. Klaus Hausmann und PD Dr. Renate Radek, herzlich für ihre unermüdliche Arbeit und Engagement gedankt. Ihr Einsatz hat sich gelohnt.
Text:
Dr. Horst Wörmann
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Primäres Xylem und Markparenchym aus dem Spross der Gewöhnlichen Jungfernrebe. Ungefärbtes Präparat, Aufnahme von Jörg Weiß.
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Flügelschuppen eines Großen Fuchses (Nymphalis polychloros) im Auflicht. Aufnahme Frank Fox.
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'Dazu muss ich sagen, dass es mir nicht um irgendeine Form wissenschaftlicher Fotografie ging. Ich habe wilde Gemische hergestellt und dann nachgesehen, wie das Produkt aus sah. ... Genieß' das Spiel der Farben und Formen.' Aufnahme von Herne.
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Oktober 2011
Glockentierchen (Vorticellidae) im differenziellen Interferenzkontrast. Aufnahme von Frank Fox.
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September 2011
Die Radiolarie Hexacontium papillosum aus einem Präparat von Albert Elger. Aufnahme von Päule Heck.
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August 2011
Querschnitt durch den Spross des Gartenbambus (Fargesia murieliae). Vergrößerung 100x, Färbung W3Asim II. Aufnahme Jörg Weiß mit Leica C-Plan 10x an Leica DME. Kamera Canon PS A520.
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Juni 2011
Bild 2
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Mai 2011
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Präparat von Jörg Weiß, Aufnahme von Joachim Schwanbeck.
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April 2011
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März 2011
Auskristallisierte Mineralstoffe aus flüssigem Kunstdünger. Zeiss Jenamed mit Planapochromat 12,4x CF250, polarisiert mit Lambda-Platte, Einzelaufnahme mit Vollformat-Kamera Canon 5D Mark II.  Aufnahme und Präparation von Frank Fox.
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Februar 2011
Nadelquerschnitt der Schlangenhaut-Kiefer (Pinus heldreichii). Aufnahme und Präparation von Rolf-Dieter Müller, Stitch aus ca. 70 Einzelbilder. Schnittdicke 25 µm, Färbung Wacker W3A (Acridinrot, Acriflavin, Astrablau).
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Januar 2011
Achtung, großes Bild!
Eidechsenschwanz (Houttuynia cordata), Leitbündel. Aufnahme von Prof. Holger Adelmann, Präparat von Jörg Weiß.
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Dezember 2010
Metapelit, Dicke ca. 25 µm, Präparation durch Willi Tschudin, Aufnahme von Dr. Horst Wörmann.
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Simocephalus vetulus (Anomopoda), der Plattkopf- Wasserfloh. Aufnahme von Päule Heck.
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